Bilder werden in den Geschichtswissenschaften vergleichsweise wenig zu Forschungszwecken herangezogen. Sie dienen aber häufig zur Illustration bestimmter Ereignisse oder zur Ergänzung des textes.
Photographien, Zeichnungen und gemalte Bilder haben immer einen bestimmten Entstehungskontext. Sie können sogenannte 'Schnappschüsse' für Nachrichten sein. Sie können aber auch ihr Objekt ins Symbolhafte steigern und dadurch zu ikonografischen Zeitzeugen werden.
Die bekannte Diskussion um die Beweiskraft von Photographien im Zusammenhang mit der Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" hat gezeigt, wie vorsichtig in der Geschichtsforschung mit Fotografien umgegangen werden muß.
Deshalb sind Entstehungsanlaß und Entstehungsbedingungen der herangezogenen Bildern grundsätzlich sorgfältig zu hinterfragen. Die Aussage von Fotografien wird von ihrer Zweckbestimmung, aber auch von den Vorstellungen, dem Auftrag, dem Situationsgefühl des Fotografen bestimmt. Stiche, Zeichnungen und gemalte Bilder zeigen gewöhnlich nicht die Realität, sondern sind fast immer mit ‚Zutaten’ angereichert, die das ‚innere Bild’ des Künstlers widerspiegeln.
Nicht beeinflußt werden kann die Seite des Betrachters. Er interpretiert alle Bilder aus dem Blickwinkel seiner subjektiven Erfahrungen und seiner persönlichen Einstellung .
Bilder als Quellen in der Straßengeschichte
Straßen sind zwar langlebig, werden aber im Laufe ihres Bestehens häufig an neue Verkehrserfordernisse angepaßt und ändern dementsprechend ihr Erscheinungsbild. Deshalb ist die Verwendung von Bildern (und Straßenkarten) für eine fundierte Straßengeschichtsforschung unerläßlich, wenn es um die Beschreibung früherer Bauzustände oder Trassenführungen geht. Besonders deutlich wird dies bei alten Brückenbauwerken.
Fern- und Landstraßen haben im allgemeinen keine Lobby. Sie sind in den
Augen der Verkehrsteilnehmer in der Regel selbstverständliche, jedoch geschichtslose Nutzobjekte des Alltags ohne erkennbare Identität. Straßen werden vom Staat als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge zum Gemeingebrauch bereitgestellt; die Verkehrsteilnehmer entrichten dafür Kraftfahrzeug-, Mineralöl- und Mehrwertsteuer, neuerdings auch Mautgebühren in die Staatskasse; nur ein Teil davon wird in die Straßeninfratstruktur investiert.
Straßen erlangen allenfalls dann besondere Aufmerksamkeit beim breiten Publikum, wenn sie die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer bedienen (Route 66 in den USA), das Fernweh wecken ("Traumstraßen der Welt") oder den Tourismus anregen sollen (Deutsche Alleenstraße, Deutsche Märchenstraße, Romantische Straße), im Rahmen eines Jubiläums
hervorgehoben werden (der alte Handelsweg zwischen Frankfurt und Leipzig zur 750 Jahr-Feier der Frankfurter Messe), als herausragende Ingenieurleistung gelten (Alpenpässe in der Schweiz bzw. in Österreich), oder literarisch bearbeitet wurden (z. B. Via Mala von John Knittel). Meist sind aber nicht die Straßen selbst Gegenstand der Beschreibung, sondern markante Gebäude in Städten und Gemeinden oder die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke, aber auch Begebenheiten und Histörchen aus früherer Zeit. Die Straße kommt nur dann ins Bild, wenn sie eine kühne Konstruktion darstellt oder spektakulär eine Landschaft durchquert.
Städtische Straßen sind hingegen durch Bilder, Postkarten usw. wesentlich besser dokumentiert und bleiben deshalb in der Regel auch im visuellen Gedächtnis haften. Hier spielen vor allem die Gebäude und das Verkehrsgeschehen auf ihnen eine bedeutende Rolle.
Von den Schwierigkeiten, illustrative Bilder zu finden
Wegen der Zersplitterung des Straßenwesens in Deutschland seit 1875 ist Bildmaterial weit verstreut in vielen verschiedenen, teils entlegenen Archiven zu finden. Fachzeitschriften und Fachpublikationen sind in der Regel gute Quellen. InPrivatsammlungen gehortete Preziosen sind nur in seltenen Fällen zugänglich.
Bildlegende (von oben nach unten): Herstellen einer Packlage; mühsame Erdarbeiten; Vorbereitung der Betonfugen
Quelle: Hessisches Ministerium für Technik und Verkehr (Hrsg.): Autobahnbau in Nordhessen, 1974